Samstag, 30. August 2008

Remember SR-111

Zehn Jahre sind nun vergangen, jeder erinnert sich zurück.
Als das Flugzeug mit dem vertrauten Logo und der Schnapszahl als Flugnummer auf die Wasseroberfläche Prallt, macht sich erschütterung breit.

Swissair 111; Der Tag der Katastrophe aus der Sicht eines Piloten

Der 2. September 1998. Ein Tag der die Geschichte der Schweizer Luftfahrt noch lange prägen wird. Swissair 111 stürzte in der Nacht an der Küste von Halifax ins Meer. Dieser Text - basierend auf Erzählungen eines Piloten - handelt von dem Morgen danach.


Der 3. September 1998. Ein Tag wie jeder andere? Für mich war er es noch, als ich früh morgens in der Küche stand und in aller Ruhe meinenKaffee trank. Ich genoss die Ruhe und blickte in auf den neuen Tag. Meine Aufgabe war es, von Zürich aus, als Deadhead nach Genf zu fliegen, HB-IWF aus JFK kommend, zu übernehmen, und nach Zürich zu fliegen. Nach einem kurzen Aufenthalt im Bad, machte ich mich auf den Weg. Im Operations angekommen, sah für mich noch alles wie üblich aus, zugegeben, so aufmerksam war ich wohl nicht. Ich ging zur Garderobe um meine Uniform anzuziehen. Danach erreichte mich eine Durchsage: Ich solle mich doch sofort bei einer Informationsstelle melden, hiess es. Zuerst wurde mir gesagt, ich solle nach Genf fliegen, und von dort aus eine Sondermaschine nach New York - John F. Kennedy fliegen. Der weitere Teil des Gesprächs traf mich wie ein Blitz: HB-IWF würde nie in Genf landen.

HB-IWF. War das nicht die MD-11, mit der ich zwei Tage zuvor noch nach Singapur geflogen war? Wie konnte das passieren? Viel Zeit blieb leider nicht. Ich musste mich beeilen, alle meine Sachen zusammenpacken um mit dem nächsten Flugzeug nach Genf zu fliegen. Unterwegs versuchte ich mir das ganze einzuprägen. Was war geschehen? Es wurde mir zuvor mitgeteilt, dass derzeit noch keine Erkenntnisse vorlägen.

Nach der Landung beeilte ich mich, denn das Zeitfenster für die Flugvorbereitung war ziemlich knapp. In der Ankunftshalle war eine eigenartige Stimmung. Obwohl sie gefüllt war, fehlte jegliche Freude.

Hunderte von Menschen eilten durcheinander. Einige hielten sich in den Armen, andere hatten ein Taschentuch vor dem Gesicht. Weitere sassen am Boden, starrten ins leere, und wieder andere hatten einfach den Ausdruck der Leere im Gesicht. Das Betreuungsteam vor Ort hatte alle Hände voll zu tun. Ich hastete zum Briefing. Den Gesichtsausdrücken der Crew zu entnehmen waren sie bereits informiert.

Das Flugzeug war bereit, und schon kamen die ersten Passagiere. Mir war aufgefallen, dass das sonst typische Lächeln auf den Gesichtern der Crew einem eher künstlichen Lächeln gefolgt ist. Wir sassen im Cockpit und warteten auf die Freigabe. Nach einiger Zeit kam die „Maître de Cabine“ ins Cockpit und teilte uns mit, dass die Passagiere nervös seien. Leider hatten war es nicht möglich, das geplante Zeitfenster einzuhalten. Erste Nervosität unter den Passagieren machte sich breit. Ich entschied mich, eine Durchsage zu machen: „Meine Damen und Herren, es tut uns ausserordentlich leid, dass wir bisher mit keine Möglichkeit hatten, zu starten. Ich bitte jedoch um Verständnis in dieser schweren Situation.“

Auf diese Durchsage reagierten die Passagiere äusserst interessiert. Vielleicht hätte ich "die Situation" nicht erwähnen sollen, aber hintendrein ist man immer klüger. Das Kabinenpersonal wurde daraufhin von den Passagieren gefragt, was denn los sei. Erst da wurde mir klar, dass die Menschen auf den Sitzplätzen noch gar nichts ahnen konnten, Ankunfts- und Abflughalle sind ja getrennt. Die Passagiere reagierten darauf äusserst verständnissvoll, und die Aufregung in der Kabine legte sich. Ein Passagier meldete sich kurzerhand und bat uns, auf keinen Fall zu erwähnen, dass die abgestürzte Maschine ebenfalls eine MD-11 war. Seine Frau würde ansonsten sofort das Flugzeug verlassen wollen, hatte sie doch ohnehin schon Flugangst.

Während dem Flug gingen mir immer wieder Gedanken über den Absturz durch den Kopf. Als wir Peggy’s Cove überflogen, erreichten uns noch die Notsignale aus dem Funk der „Vaud“. Jetzt wurde mir klar, dass HB-IWF 7000 Meter unter uns liegt. Etwas später funkte uns ein Airbus A310 an. Ein etwas älteres Flugzeug als unseres, das offenbar keinen Funkkontakt zum Headquarter Zürich hatte. Sie baten uns um die Namen der Besatzung. Ich sandte eine ACARS-Meldung ans Hauptquartier. Nach 20 Minuten traf die ersehnte Antwort ein. Sofort las ich der A310-Maschine alle Namen via Funk vor. Besonders der Name Urs Zimmermann traf mich. Waren wir doch zusammen im Militär und erst gerade vor wenigen Tagen im Simi.

Nach der Landung verabschiedeten wir uns von den Passagieren, wobei einige uns ihr tiefstes Mitgefühl mitteilten. Und der Crew fiel es schwer, beim Lächeln zu bleiben. Am Flughafen wurden wir von 200 Medienschaffenden erwartet, die unser Flugzeug, und uns gierig auf ihr Medium aufnahmen. Wir waren die erste Swissair-Besatzung nach dem Unglück, die mit einer MD-11, am John F. Kennedy- Airport eintraf. Die Polizei und die Flughafensicherheitsbehörde bemerkte rasch, dass wir nicht stark genug waren, gegen die Journalistenflut anzukommen und so lotsten sie uns durch die Menge, Wir alle waren von den Ereignissen der letzen Stunden so überwältigt, dass wir nur noch unsere Ruhe wollten. Im Hotel angekommen bezogen wir unsere Zimmer. An der Rezeption wurde uns mitgeteilt, dass uns das Telefon zu Verfügung stehe und wie leid ihnen die ganze Sache tue.

Nach fünf Minuten verliess ich das Hotel wieder und machte mich auf den Weg zum Broadway. Ich brauchte etwas Zeit für mich, und etwas frische Luft. Am Abend, als ich wieder im Hotel eintraf, ging es mir für den Moment besser. Jedoch quälten mich noch immer viele Fragen über den Absturz.

Inzwischen liegt der Abschlussbericht vor. Wie immer reicht ein einzelner Fehler nicht aus, um eine Katastrophe auszulösen. Es handelt sich um ein kompliziertes Netzwerk:

Wahrscheinlich hatte ein Kurzschluss – ausgelöst durch die gebrochene Isolierung eines Kupferkabels hinter der oberen Cockpitverkleidung – die benachbarte Thermoschallisolation entzündet. Das betreffende Kabel versorgte das bordeigene Unterhaltungssystem IFEN (In-Flight Entertainment Network) mit Strom. Über das IFEN konnten die Gäste der Ersten Klasse an ihren Plätzen Videos schauen oder Computerspiele spielen.

Der Untersuchungsbericht stellte fest, dass die MPET-Beschichtung des im Flugzeug verbauten Dämmmaterials und andere Teile nicht genügend feuerfest waren. Deshalb konnte sich der Brand ausbreiten. Zunächst zerstörte er die Zuleitungen wichtiger Cockpitinstrumente, so dass die Piloten in der Dunkelheit über dem Meer die Orientierung verloren. 6 Minuten vor dem Absturz zerschmorte auch die Datenleitung zum Flugdatenschreiber im Heck, was die Rekonstruktion des Unglücks zusätzlich erschwerte.

Als Resultat aus dem Unglück sprach die TSB 23 Sicherheitsempfehlungen aus. Sie empfahl neue Standards für Materialtests auf Feuerfestigkeit, außerdem den Einsatz von Feuermeldern in Flugzeugcockpits und die Installation von Videokameras in Hohlräumen. Außerdem sollte Flugpersonal besser für die Brandbekämpfung trainiert werden. (Quelle: wikipedia)


Entgegen Gerüchten trifft die Besatzung keinerlei Schuld. Sie taten ihr Bestes und hätten den Absturz mit ihrem Wissen nicht verhindern können.

Samstag, 15. März 2008

Der Placeboskandal

Skandal am Flughafen. Der gute "Blick" hat ermittelt und bringt folgendes an den Tag:

"Über 2,5 Millionen Franken hat Josef Felder (46) für sein letztes Jahr als Flughafen-Chef ausbezahlt bekommen. Nachzulesen ist das im neuen Geschäftsbericht von Unique. Dort steht auch, was der Flughafen Felder für das Jahr 2006 überwiesen hat: 813 047 Franken. Rechne: Die Überweisungen an Felder haben sich mehr als verdreifacht.
Eingeschenkt hat vor allem ein sogenannter «Langzeitbonus» von deutlich über 1,5 Millionen Franken. Dieses Extra-Zückerchen hat Felder laut Unique-Sprecher Jörn Wagenbach «über mehrere Jahre erarbeitet. 2007 kam der Langzeitbonus dann zur Auszahlung»."

Für jeden normalen Menschen ist der Fall klar: Da es sich um einen Langzeitbonus handelt, gilt dieses Gehalt von 2.5 Millionen Franken nicht für das Jahr 2007, sondern die darin enthaltenen 1.5 Mio. Fr. beziehen sich auf die beinahe 10 Jahre, in denen Felder den Flughafen geführt hat.
Verteilt man nun den Langzeitbonus von CHF 1'500'000.- auf die Arbeitsperiode, so entspricht dies einem Bonus von CHF 150'000.- pro Jahr. Dies ist noch lange nicht so skandalös wie die Bonuszahlungen von gewissen Banken.

Unique (Flughafen Zürich AG) schreibt dazu folgendes:
Josef Felder machte als einziges Mitglied der Geschäftsleitung von diesem Angebot (Bonuszahlungen in Form von Aktien) Gebrauch. Sein Gesamtbonus für das Jahr 2002 betrug CHF 300'000, dieser wurde vollumfänglich in Aktien bezogen. Der Kurswert der Aktie am Stichtag betrug CHF 23. Da sich der Wert der Aktie zwischen 2002 und 2007 von CHF 23 auf CHF 470 entwickelte und damit mehr als verzwanzigfachte, fiel der im Jahr 2007 fällige Langzeitbonus - in einer Höhe von 3'260 Aktien im Wert von CHF 470 - auf CHF 1'532'200 aus. Alle Aktionäre haben in gleichem Zeitraum von der selben Wertsteigerung profitiert.

Dieses System ist nicht skandalös, sondern durchaus üblich, und wird auch bei vielen AG's so gehalten!

Werte Wirtschaftsexperten aus dem Hause Ringier: Ich bitte Sie, in Zukunft genauer zu Recherchieren, bevor sie wieder einen Placeboskandal aufdecken. Ansonsten hoffe ich natürlich, dass ihre "Zeitung" oder - wie man das nennen will - auch die selbe Leserquote hat, wenn sie die Wahrheit schreiben.

Quellen:
http://www.blick.ch/news/wirtschaft/millionen-bonus-fuer-was-86161
Communiqué Unique vom 15.3.08



Donnerstag, 28. Februar 2008

Wie spielt man Monopoly?

Wer noch immer nicht verstanden hat, worum es bei der ganzen UBS-Krise geht, hier eine vereinfachte Darstellung:
Sie alle kennen das berühmte Spiel von Parker. Es gibt es in diversen Variationen und alle klingen ähnlich wie "Monopoly".

Man spielt, gewinnt, bezahlt, verliert, erhält. Wenn möglich, versucht man das ganze gewinnbringend zu führen. Hat man genügend Geld, so kann man sich auf den Feldern Häuser kaufen. Kommt ein Gegner auf das Feld, so muss er für das Haus bezahlen.
Was passiert jedoch, wenn jemand auf ein Feld mit einem Haus kommt, und es nicht mehr vermag?
Sie erhalten kein Geld mehr.
Im vereinfachten Modell macht dieser Umstand ja nichts, denn solange Sie keine Gegner haben, können Sie auch nicht verlieren.

Bei den Banken sieht es etwas anders aus:
Massenhaft Häuser wurden gebaut, sie konnten nicht bezahlt werden. Das Haus wird dadurch wertlos. Dies führt zu grossen verlusten, und auch einigen Konkursen.

Kommen Sie über das Feld "Los" so erhalten sie Startgeld. Darum ging es an der ausserordentlichen GV der UBS. Soll die schweizer Grossbank über das Feld kommen und ihr Startgeld von den Aktionären erhalten?

Samstag, 10. November 2007

Horrorklasse oder Terrorjouornalismus?

Seit gestern ist es offiziell, was ich bereits vor Monaten geschrieben habe.
Die angebliche "Horrorklasse" wird tatsächlich von Terrormedien angegriffen. In wirklichkeit handelt es sich bei der Klasse um eine Erfindung von "20 Minuten" und co. Wie schon in meinem ersten Bericht "Zustände wie im Urwald" erläutert, handelt es sich bei dieser Klasse um normale Primarschüler, wie es jeder von uns einst war:

"Die Anfangs "unanständige Klasse" wird zur "Horror-Klasse" und zur "Terror-Klasse"Wird die neue Zuger-Lehrerin die Löwen besänftigen können? So der Blick kurz darauf.Von einem Lehrer des Schulhauses weiss ich, dass 4 dieser angeblichen 6 Lehrer weder terrorisiert noch hinausgeekelt wurde."

Eine Untersuchung ergab nach fast einem halben Jahr, dass lediglich 2 Lehrer zurücktraten.
Wurde doch auch Zeit, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt, auch wenn in der zwischenzeit schon ach so viele Gerüchte verstreut und Jugendliche schlecht dargestellt wurden.

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Wahlkampf-Finalrunde


Der Wahlkampf um die nächsten vier Jahre geht ins Finale. Die SVP versucht, möglichst wenig dem Zufall zu überlassen und startet ein Pendant zum GPK-Bericht.


Die gelb markierten Fragen sind Anmerkungen der Redaktion.

Dienstag, 16. Oktober 2007

Vertrauen vs.Sicherheitswahn

Die Menschen sind zurückhaltend, fast schon scheu, die Buschauffeure sitzen in ihren Käfigen aus Plexiglas, jede einzelne Handlung wird von mindestens 3 Videokameras verfolgt, und alle 3 Minuten heult das Martinshorn oder es trillert eine Mundpfeife der "Police". Dies sind die Eindrücke, die Grossbritannien hinterlässt.

Seit den mehrfachen vermeintlichen Anschlägen auf die Insel wurden die Bewohner zusehends eingeschüchtert, wenn nicht gar Paranoid. Die Nasse Mauer, welche das Vereinte Königreich vom Rest der Welt abschirmt, reicht offenbar nicht mehr.

Bereits nach verlassen des Flugzeuges in Heathrow tritt man unter eine Überwachungskamera. Keine gewöhnliche. Nein, es ist eine Alphastrahlen-Kamera. Keine Angst, gefährlich sind diese nicht. Die Alphastrahlung dringt nicht durch organisches Material. Somit kann sie nicht unter die Haut, jedoch durch die Schichten darüber. So ist es möglich, die Einreisenden zu überprüfen. In London wurde kürzlich darüber debattiert, solche Kameras auf den Strassen einzusetzen, doch dies wurde aus Gründen der Privatsphäre abgelehnt. Doch der Flughafen ist ja internationales Gebiet. Deshalb ist dies möglich.

Noch erstaunlicher ist, was im Theater in Cambridge in der Pause auf der Bühne vorzufinden ist. Weder das Stück, noch die Besetzung war besonders gut. Auch hatte es keine Wertgegenstände auf der Bühne. Trotzdem kam während der 10-Minütigen Pause ein Vorhang aus dem Boden. Weiss auf rot stand "Safety Curtain" geschrieben. Der Vorhang schützt angeblich vor Angriffen. Massiv sieht er aus, kein Zweifel. Garantiert schützt er vor Messerangriffen. Doch wozu?
Gibt es denn eigentlich noch etwas wie "Vertrauen"?

Mittwoch, 19. September 2007

Wenn die Luft zum Schneiden dick ist




Neues von 20 Minuten:
Haben Sie gewusst, dass es Scheren gibt, welche man nicht sieht, aber fühlt? Ja, dies sind Windscheren. Passen Sie also auf: wenn Sie das nächste Mal bei Sturm nach draussen gehen, so tragen Sie doch bitte eine Wind-el mit. Zum Schutze.
Das Malheur:
Die MD-82 der Billig-Airline stürzte vor der Landebahn auf Phuket ab. Überraschenderweise war bereits 2 Tage nach dem Absturz die Ursache gefunden. Die Untersuchungen dauern nicht selten mehrere Jahre und am Ende kommt es zu zahlreichen Sicherheitsmängeln, Materialdefekten und die Piloten müssen rehabilitiert werden.
Doch nicht dieses Mal:
Der Tower soll angeblich noch vor Scherwinden gewarnt haben. Dies hat keineswegs mit Scheren zu tun.
Der Begriff Scherwinde (selten auch Windscherung) kommt aus dem Englischen (Wind-shears). Eine Scherung hat verschiedene Sinne, welche jedoch alle auf das Selbe hinausführen: Schwenkung, Richtungsänderung, Abdriften, etc.
Diesen Fehler kann man der Redaktion nicht übel nehmen, denn, freundlich wie 20 Minuten ist, haben Sie uns dafür erklärt, was "landing" bedeutet. Hätten Sie gewusst, das "landing" "Wir landen" bedeutet?